Winsen (Luhe), 25. Januar 2026 – Der Arbeitskräftemangel im Landkreis Harburg spitzt sich weiter zu.
Besonders mittelständische Unternehmen und das Handwerk sehen sich mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert, qualifiziertes Personal zu finden und dauerhaft zu binden. Vor diesem Hintergrund unterstützt die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Harburg-Land den Antrag der Bundes-MIT zur Reform des Teilzeitrechts, der beim CDU-Bundesparteitag im Februar 2026 eingebracht wird.
„Teilzeitmodelle haben ihre Berechtigung – etwa bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder bei Pflegeverantwortung“, sagt André Schrader, Kreisvorsitzender der MIT Harburg-Land. „Aber wir brauchen eine neue Balance zwischen Flexibilität für Arbeitnehmer und Planbarkeit für Unternehmen. Wer Teilzeit allein aus individuellen Lebensstilen heraus beansprucht, während überall Fachkräfte fehlen, gefährdet am Ende den Wohlstand in unserer Region.“
Der Antrag der MIT zielt auf eine differenzierte Reform: Künftig soll der Rechtsanspruch auf Teilzeit oder Brückenteilzeit nur bei einem besonderen Grund – etwa Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder berufsbegleitender Weiterbildung – greifen. In allen anderen Fällen sollen individuelle Teilzeitlösungen weiterhin möglich sein, aber auf freiwilliger Basis zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten vereinbart werden.
„Gerade bei kleineren und mittleren Betrieben im Landkreis Harburg beobachten wir: Der Personalmangel sorgt für Überlastung der Belegschaft und Einbußen bei der Wettbewerbsfähigkeit. Wir dürfen den Arbeitsmarkt nicht weiter durch falsche Anreize schwächen“, so Schrader weiter.
Die MIT Harburg-Land begrüßt auch die im Antrag geforderte Überprüfung ergänzender Sozialleistungen. Diese sollen künftig stärker an tatsächliche Bedürftigkeit geknüpft werden, um Fehlanreize zu vermeiden. „Solidarität darf keine Einbahnstraße sein“, betont Schrader. „Wer arbeiten kann, soll auch arbeiten. Das ist ein Gebot der Fairness – gegenüber allen, die tagtäglich in Vollzeit arbeiten, Steuern zahlen und dieses Land am Laufen halten.“
Der Landkreis Harburg hat viele engagierte Unternehmen, aber auch eine wachsende Lücke zwischen Arbeitsangebot und -nachfrage. In vielen Branchen, etwa im Handwerk, der Pflege oder im Einzelhandel, sind offene Stellen auf Monate unbesetzt. „Wir müssen alle Arbeitszeitreserven mobilisieren, damit unsere Betriebe leistungsfähig bleiben und neue Chancen entstehen“, fordert Schrader.
Die MIT Harburg-Land ruft Bundestag und Bundesregierung auf, den Antrag der MIT aufzugreifen und das Teilzeitrecht praxisnah zu reformieren. „Es geht nicht darum, Teilzeit zu verhindern. Es geht darum, sie dort zu ermöglichen, wo sie wirklich gebraucht wird – und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass unsere Wirtschaft auch in Zukunft funktioniert“, so Schrader abschließend.
