Winsen (Luhe), 31. August 2025 – „Der konjunkturelle Aufschwung ist ins Stocken geraten.
Der Optimismus im Mittelstand nimmt zwar weiterhin zu und in vielen Branchen füllen sich die Auftragsbücher. Die Exporte haben zugelegt. Der Internationale Währungsfonds korrigierte seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland nach oben – nach zwei Jahren des Rückgangs ist endlich wieder Wachstum in Sicht. Doch im zweiten Quartal bekam der Aufschwung einen Dämpfer.“ Mit diesen Worten beginnt der aktuelle Konjunkturbrief der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) – eine Einschätzung, die auch die Mittelstands- und Wirtschaftsunion Harburg-Land teilt. Angesichts wachsender Risiken für Unternehmen in der Region fordert sie eine wirtschaftspolitische Kurskorrektur innerhalb der Union.

Wir tragen Verantwortung – und genau deshalb müssen wir in dieser Phase selbstkritisch und entschlossen handeln. Der Mittelstand braucht jetzt keine neuen Förderprogramme, sondern verlässliche Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und wirtschaftspolitische Vernunft“, erklärt André Schrader, Kreisvorsitzender der MIT Harburg-Land. Er verweist auf eine Reihe alarmierender Entwicklungen: So stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Juli um 19,2 Prozent gegenüber dem Vormonat – der stärkste Anstieg seit Oktober 2024. Die Industrieproduktion sank um 1,9 Prozent und erreichte damit den niedrigsten Stand seit dem Corona-Frühjahr 2020. Besonders dramatisch ist der Auftragsmangel im Maschinenbau, wo inzwischen 46,1 Prozent der Betriebe über unzureichende Auslastung klagen. Auch im Mittelstand insgesamt zeigt sich eine zurückhaltende Personalpolitik: Die Beschäftigung ging um 0,3 Prozent zurück, gleichzeitig stiegen die Löhne um 5,0 Prozent – bei einer Inflationsrate von lediglich 2,0 Prozent. Zusätzlich klagt eine Rekordzahl von Unternehmen über restriktive Kreditvergaben durch Banken.

„Wir erleben eine gefährliche Gleichzeitigkeit negativer Faktoren: Aufträge brechen weg, die Finanzierung stockt, und gleichzeitig steigen die Kosten. Das ist eine toxische Mischung – auch für viele Betriebe in unserem Landkreis“, so Schrader weiter. Die MIT Harburg-Land spricht sich daher für eine klare wirtschaftspolitische Neuausrichtung aus, die auf den bewährten Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft basiert. Dazu gehören niedrigere Lohnnebenkosten, wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere Genehmigungsverfahren, ein spürbarer Bürokratieabbau und eine funktionsfähige digitale Verwaltung. Zugleich sei es dringend notwendig, den Zugang zu Finanzierungsmitteln für kleine und mittlere Unternehmen zu erleichtern und in die Infrastruktur der Region zu investieren – sowohl im Verkehrsbereich als auch in der Digitalisierung.

„Die CDU hat in ihrer Geschichte bewiesen, dass sie wirtschaftspolitisch führen kann. Jetzt ist es an der Zeit, daran wieder anzuknüpfen“, fordert Schrader. Es brauche keine kurzfristigen Sonderprogramme, sondern eine langfristig tragfähige Strategie zur Stärkung des Mittelstands – getragen von Eigenverantwortung, Leistungsbereitschaft und Vertrauen in marktwirtschaftliche Lösungen. Schrader betont: „Die Soziale Marktwirtschaft ist kein Auslaufmodell. Sie ist aktueller denn je – wenn wir sie politisch ernst nehmen und konsequent zur Richtschnur unseres Handelns machen.“