Heute will ich über den Begriff „konservativ” sprechen.

Oft hören wir, na ja der ist doch recht konservativ. Und das ist so gut wie nie positiv gemeint. Eher altmodisch, verstaubt. Wieso eigentlich? Franz Josef Strauß hat mal den Begriff „Laptop und Lederhosen” geprägt. Gemeint war die Verbindung von modernster Technik und Tradition. Für mich ist konservativ, bei allem Neuen stets zu hinterfragen, ob es besser ist als das Bisherige. Also nicht neu weil es neu ist, sondern weil es einen größeren Nutzen bietet. Oft wird auch neu mit modern gleichgesetzt. Sollte nicht modern die Summe von neu und besser sein? Dann kann modern auch konservativ sein.

Also: Für mich heißt konservativ sein, bewahren bis es etwas Besseres gibt, aber nie darauf beharren.

Beispiele aus dem Bereich Bildung.

Wir haben mal die Hälfte aller Nobelpreisträger gestellt. Und das mit einem dreigliedrigen Bildungssystem, das heute viele als total veraltet ansehen. In den 70er Jahren wurde es „weidwund geschossen” durch eine Maßnahme: der Einführung des Elternwillens. Nun konnte jeder Vater oder jede Mutter bestimmen, auf welche Schule ihr Kind gehen darf. Die Entscheidung trafen nicht mehr Fachleute sondern die Eltern, die natürlich der Ansicht waren, dass auf das Gymnasium nur dafür geeignete Schüler sollten, und natürlich ihr Kind! Dadurch hat sich der Anteil der Abiturienten an einem Jahrgang in den letzten 50 Jahren vervierfacht.

Das Ergebnis ist bekannt, auch wenn es einige immer noch nicht wahrhaben wollen. Immer mehr Schüler werden durch die Schule oder Universität überfordert. Einfachere Ausbildungen werden von der Gesellschaft diskriminiert. Aber: wir brauchen Spitzenleistungen in allen Ebenen. Und die erhalten wir nur, wenn die Menschen ihre Begabungen an der richtigen Stelle einsetzen.

Es ist eine pädagogische Frage, wie die Schule der Zukunft aussehen sollte. Aber wichtige konservative Elemente haben wir weitgehend verloren. Unternehmer klagen seit Jahren darüber, dass es Schulabgängern an elementaren Fertigkeiten mangelt. Das Einmaleins, Rechtschreibung, Basiswissen in den meisten Fächern. Die sind trotz Internet im Beruf und privat auch künftig wichtig. Egal wie Schule morgen aussehen wird: diese konservativen Dinge müssen wieder besser werden.

Und wie macht es die Wissenschaft? Sie baut auch auf dem Bisherigen auf und überlegt Neues. So gesehen ist sie auch konservativ.

Wilfried Uhlmann